Hermes Agent v0.17 im Sturmschritt: Der KI-Assistent bekommt neue Fühler – iMessage, Raft und Hintergrund-Sub-Agents sind da

Mit dem Update auf Hermes Agent v0.17.0 hat das Team dem Release einen sehr treffenden Namen gegeben: The Reach Release.
v0.16 hat Hermes auf den Desktop gebracht, v0.17 widmet sich einer anderen Frage: Wie weit kann dieser KI-Assistent eigentlich greifen?
Die Antwort: in iMessage, WhatsApp, Telegram und das Raft-Agenten-Netzwerk; in Desktop-Apps, Hintergrund-Sub-Agents, Bildbearbeitung, Automatisierungs-Blueprints, einen Skills-Marktplatz und ein Gedächtnissystem; und sogar in das Composer-Programmiermodell hinter Cursor.
Ab dieser Version ist Hermes nicht mehr nur ein Open-Source-Agent, der chatten, sich erinnern und Aufgaben ausführen kann, sondern rast zielstrebig in Richtung „persönliches KI-Betriebssystem mit vielen Einstiegspunkten, Tools und Szenarien“.
Zunächst ein Blick auf die Größe der Version
Die offiziellen Release-Zahlen sind gewaltig:
- Veröffentlichung: 19. Juni 2026
- seit v0.16.0: rund 1475 Commits
- zusammengeführte PRs: rund 800
- geänderte Dateien: 1693
- neuer Code: 235.390 Zeilen
- entfernter Code: 50.730 Zeilen
- geschlossene Issues: 300+
- Community-Beitragende: 245
Das ist kein kleines Flickwerk, sondern ein echtes Major-Release. Der offizielle Name Reach Release passt gut: Hermes beginnt, seine Fühler großflächig auszustrecken.
iMessage-Anbindung: Die blauen Blasen brauchen endlich keinen Mac-Relay mehr
Eines der beeindruckendsten Features dieses Updates ist, dass Hermes jetzt offiziell iMessage unterstützt.
Wer seinem KI-Assistenten bisher das Senden und Empfangen von iMessages ermöglichen wollte, kam kaum um einen Mac herum: Entweder lief in der Ecke ein Mac mini mit BlueBubbles, oder man bastelte sich selbst einen Brückendienst. Es funktionierte, aber der Wartungsaufwand war lästig.
v0.17 bringt direkt das Photon-Spectrum-Plugin mit:
- kein Mac-Relay nötig
- keine BlueBubbles-Brücke nötig
- kein selbst gehostetes Relay erforderlich
- Anmeldung am Photon-Verwaltungspool per Device Code
Auch der Befehl ist unkompliziert:
hermes photon login
Nach der Anmeldung kann Hermes Nachrichten in iMessage senden und empfangen. Für Nutzer, deren Familie und Freunde alle in blauen Blasen leben, bedeutet das: Hermes kann endlich ganz natürlich in ihren meistgenutzten Chat-Einstiegspunkt einziehen.
Offiziell wird es sogar als Nachfolger von BlueBubbles positioniert: kostenlos zum Start, ohne Self-Hosting.
Raft-Agenten-Netzwerk: Hermes betritt die Agentenwelt anderer

Das zweite strategisch bedeutsame Update ist der Raft-Plattformadapter.
Raft ist ein Agenten-Netzwerk, und Hermes v0.17 kann sich als externer Agent über die Wake-Channel-Bridge einklinken. Man setzt RAFT_PROFILE, startet die Bridge – und Raft kann Hermes aufwecken, um Nachrichten zu verarbeiten.
Wichtiger noch ist das Privacy-Design: Das Wake-Payload enthält nur Metadaten wie Event-ID und Zeitstempel, aber keinen Nachrichteninhalt.
Das zeigt: Hermes will nicht nur ein persönlicher Assistent sein, sondern auch ein Knoten im Agenten-Netzwerk. Künftig muss dein Hermes keine Insel mehr sein, sondern kann von anderen Agents orchestriert, geweckt und in Zusammenarbeit eingebunden werden.
Das ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn im Zeitalter der Agents liegt der eigentliche Wert nicht darin, wie schlau eine einzelne KI ist, sondern darin, wie mehrere Agents sicher zusammenarbeiten.
Die Desktop-App fühlt sich endlich wie ein richtiges Hauptwerkzeug an
Als die Desktop-App mit v0.16 erschien, war die Stimmung eher „endlich gibt es sie“. v0.17 bedeutet: „endlich kann sie den Alltag als Hauptwerkzeug meistern“.
Zu den Desktop-Verbesserungen gehören:
- frei neu belegbares Tastenkürzel-Panel
- native Systembenachrichtigungen mit Ein-/Aus-Schalter je Typ
- Echtzeit-Beobachtungsfenster für Sub-Agents, die delegierte Aufgabenströme in ein eigenes Panel streamen
- Composer-Modellauswahl mit Unterstützung für verschiedene Modell-Presets
- automatische RTL/bidi-Textausrichtung
- in der Größe veränderbares Terminal-Panel mit VS-Code-Theme
- eigene Composer-Entwürfe pro Thread
- direkte Installation von Themes aus dem VS Code Marketplace
Früher war der Desktop-Client eher „ein zusätzlicher Einstiegspunkt neben dem Terminal“, jetzt ist er ein echtes Agenten-Arbeitsumfeld. Besonders die Live-Subagent-Watch-Windows: Man übergibt eine Langzeitaufgabe an einen Sub-Agent, der in einem eigenen Panel in Echtzeit arbeitet, während man im Hauptstrang weitermacht.
Das ist kein UI-Schnickschnack, sondern eine Neugestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Multi-Agent-Kollaboration.
Hintergrund-Sub-Agents: Endlich muss man nicht mehr dumm warten
v0.17 führt background/async-Subagents ein.
Wenn man einem Sub-Agenten früher eine Langzeitaufgabe delegierte – etwa ein Projekt recherchieren, einen Build durchlaufen lassen oder einen Bericht schreiben –, blockierte das schnell das Hauptgespräch. Jetzt gibt delegate_task(background=true) sofort ein Handle zurück: Der Sub-Agent läuft im Hintergrund, und du arbeitest mit dem Hauptmodell weiter an anderen Dingen.
Sobald die Hintergrundaufgabe abgeschlossen ist, kehrt ihr vollständiges Ergebnis automatisch als neue Dialogrunde in den Hauptkontext zurück.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber für komplexe Aufgaben ein echter Qualitätssprung.
So kannst du zum Beispiel vorgehen:
- ein Sub-Agent recherchiert Material
- ein Sub-Agent führt Tests aus
- ein Sub-Agent erstellt eine Vergleichstabelle
- der Haupt-Agent diskutiert weiter mit dir über die Lösung
Das ist echte parallele Agenten-Zusammenarbeit statt einer einzelnen KI, die alles der Reihe nach abarbeitet.
image_generate unterstützt jetzt Bildbearbeitung

Hermes' Werkzeug image_generate war bisher hauptsächlich für die Bilderzeugung aus Text zuständig. Ab v0.17 kann es bestehende Bilder entgegennehmen und sie anhand von Prompts bearbeiten und umwandeln.
Typische Anwendungen:
- das Logo blau umfärben
- den Hintergrund entfernen
- aus der Skizze ein Produkt-Rendering machen
- den Stil anhand eines Referenzbildes anpassen
Dafür wurde kein neues image_edit-Werkzeug eingeführt, sondern dasselbe Muster von image_generate genutzt, das automatisch an den Edit-Endpunkt des Backend-Providers weiterleitet. Für einen Agenten ist das wichtig: Je einheitlicher die Werkzeugschnittstellen, desto einfacher die Aufgabenorchestrierung.
Automation Blueprints: Automatisierung auch ohne cron-Kenntnisse
Zeitgesteuerte Aufgaben konnte Hermes schon immer, aber cron ist für Normalnutzer ziemlich unfreundlich. Die Automation Blueprints in v0.17 lösen genau dieses Problem.
Du musst dir keine kryptischen Zeichenketten wie 0 8 * * * merken: Du wählst einfach einen Automatisierungs-Blueprint, etwa „jeden Morgen um 8 Uhr eine Nachrichtenübersicht“, und Hermes fragt dich direkt nach den benötigten Parametern.
Derselbe Blueprint lässt sich nativ auf mehreren Oberflächen darstellen:
- im Dashboard als Formular
- in CLI/TUI als Befehl
- im Messenger als Dialog
- in der Dokumentation als Verzeichniseintrag
Das zeigt, dass Hermes etwas sehr Clevernes tut: Automatisierung wird von „Ingenieur-Konfiguration“ zu „Frage-und-Antwort für Normalnutzer“.
Auch das Cursor-Composer-Modell ist jetzt nutzbar
Für Programmierer gibt es in v0.17 ein weiteres Highlight: In der xAI-OAuth-Modellauswahl taucht grok-composer-2.5-fast auf.
Composer ist das schnelle Programmiermodell hinter Cursor. Mit einem xAI-Grok-Abo kannst du es jetzt direkt über Hermes aufrufen – mit einem vollständigen Kontextfenster von 200k.
Das verknüpft drei Dinge miteinander:
- Grok-Abo
- Hermes-Agent-Loop
- die Coding-Geschwindigkeit des Cursor Composer
Kein separater API-Key nötig. Für Entwickler, die ohnehin Grok abonniert haben, ist das quasi ein gratis Zugang zu einem schnellen Programmier-Backend.
Das Dashboard wird zur vollständigen Konfigurationszentrale

Das Dashboard in v0.17 zeigt nicht nur Status an, sondern kann komplette Hermes-Profile erstellen.
Direkt im Browser kannst du:
- Modelle auswählen
- Skills auswählen
- MCP-Server anhängen
- mehrere Profile verwalten
- global zwischen Profilen wechseln
Früher musste man dafür die config.yaml von Hand bearbeiten. Heute reicht ein paar Klicks im Dashboard.
Das ist entscheidend für Team-Deployments. Sobald nicht-technische Nutzer mit Agenten arbeiten sollen, muss die Konfiguration visuell sein.
Skills Hub überarbeitet: Skills installieren sich endlich wie im App Store
Auch der Skills Hub wurde kräftig überarbeitet.
Zu den neuen Funktionen gehören:
- Connected Hubs
- Featured-Bereich mit Empfehlungen
- vollständige Vorschau eines Skills vor der Installation
- automatischer Sicherheitsscan für jeden Skill
- Unterstützung für vertrauenswürdige Taps: OpenAI, Anthropic, HuggingFace, NVIDIA
Skills sind damit keine flache Liste mehr, sondern entwickeln sich in Richtung eines echten Agenten-App-Stores.
Großes Gedächtnis-Upgrade: atomare Massenoperationen
Hermes' Langzeitgedächtnis war schon immer ein Kernargument. In v0.17 bekommt das Memory-Tool ein Operations-Array, mit dem sich add/replace/remove in einem Durchgang ausführen lassen – und zwar als atomare Operation.
Früher brauchte das Modell für eine Gedächtnisaktualisierung mehrere Schritte: alten Inhalt löschen, neuen hinzufügen, Budgetüberschreitung behandeln. Scheiterte ein Schritt mittendrin, konnte das Gedächtnis durcheinandergeraten.
Jetzt lässt sich das in einem einzigen Aufruf erledigen:
- Speicherplatz freigeben
- alte Informationen ersetzen
- neue Erinnerungen hinzufügen
- und dabei das endgültige Zeichenbudget prüfen
Das macht Gedächtnisaktualisierungen schneller und deutlich weniger anfällig für Abbrüche. Für einen Agenten, der „je länger man ihn nutzt, besser versteht“, ist das ein Upgrade der grundlegenden Stabilität.
Gehärtete Dashboard-Anmeldung

Beim Thema Sicherheit wurde in v0.17 die Dashboard-Authentifizierung gehärtet:
- token-pflichtige Endpunkte antworten korrekt mit 401
- WebSockets authentifizieren sich mit dem ausgelieferten Dashboard-Token
- wird ein public_url-Override stillschweigend abgelehnt, erscheint eine Warnung
Solche Änderungen sind nicht spektakulär, aber dringend nötig. Ein Agent-Dashboard, das einmal im Netz hängt, hat dahinter möglicherweise Modelle, Tools, MCP, Dateisystem und Messaging-Kanäle. Wenn die Authentifizierung ein Loch hat, sind die Folgen weit gravierender als bei einem gewöhnlichen Admin-Panel.
Auch WhatsApp und Telegram werden vollständiger
Neben iMessage verbessert v0.17 auch WhatsApp und Telegram.
Bei WhatsApp bringt Hermes einen offiziellen Adapter für die WhatsApp Business Cloud API mit. Bisher führte der Weg über die Baileys-Bridge – aber dieser Brückenprozess musste gewartet, mit QR-Codes versehen und gegen Verbindungsabbrüche abgesichert werden. Jetzt kann man sich direkt an Metas offiziell gehosteten Kanal anschließen.
Bei Telegram unterstützt Hermes die Rich Messages des Bot API 10.1. Lange Nachrichten sind sauberer formatiert, das native Markup ist vollständiger – standardmäßig aktiviert, mit Opt-out-Möglichkeit.
Die Messaging-Einstiegspunkte von Hermes entwickeln sich damit von „anbindbar“ zu „anständig angebunden“.
Der Curator verbrennt nicht mehr heimlich Token
Noch eine sehr praktische Optimierung: Der Skill Curator ruft in Routineläufen standardmäßig nicht mehr das Aux-Modell für teure Konsolidierungen auf.
Standardmäßig gibt es nur noch den kostenlosen, deterministischen Inactivity-Sweep. Token für intelligentere Skill-Zusammenführungen werden nur ausgegeben, wenn du curator.consolidate: true explizit aktivierst oder hermes curator run –consolidate ausführst.
Kurz gesagt: Die tägliche Hintergrundaufbereitung von Skills verbrennt nicht mehr heimlich Geld.
Warum v0.17 eine „Fühler-Erweiterung“ ist
Die wichtigste Veränderung in v0.17 ist kein einzelnes Feature, sondern die veränderte Gestalt von Hermes.
Früher war Hermes wie ein KI-Assistent, der im Terminal steckte.
v0.16 gab ihm einen Desktop.
v0.17 lässt ihn Fühler ausstrecken:
- in die blauen Blasen von iMessage
- in das Raft-Agenten-Netzwerk
- in die offizielle WhatsApp-API
- in die Rich-Text-Nachrichten von Telegram
- in die Sub-Agent-Fenster der Desktop-App
- in Bildbearbeitung und Video-/Bilderzeugung
- in Automatisierungs-Blueprints und No-Code-Konfiguration
- in Skills Hub und Profile Builder
- in die Grundlogik des Gedächtnissystems
Das ist die eigentliche Bedeutung des Reach Release: Hermes wartet nicht mehr darauf, dass du das Terminal öffnest und es suchst – es taucht aktiv an allen Einstiegspunkten auf, an denen du arbeitest, chattest, automatisierst und kollaborierst.
Für wen sich das Upgrade lohnt
Wer Hermes Desktop nutzt: unbedingt upgraden. Die Desktop-Version ist in dieser Ausgabe deutlich ausgereifter.
Wer Sub-Agents intensiv nutzt: unbedingt upgraden. Hintergrund-Sub-Agents heben das Erlebnis bei Langzeitaufgaben auf eine neue Stufe.
Wer iMessage, WhatsApp oder Telegram anbinden will: unbedingt upgraden. Die Messaging-Verbesserungen sind das Hauptthema dieser Version.
Wer Hermes im Team einsetzt: auch hier ist das Upgrade zu empfehlen. Profile Builder, gehärtete Dashboard-Anmeldung und der Sicherheitsscan im Skills Hub schließen gerade die Lücken für die Teamnutzung.
Fazit
Hermes Agent v0.17.0 ist keine Version mit „mehr Funktionen“, sondern eine Version mit „weiterer Reichweite“.
Von iMessage bis Raft, von Desktop-Sub-Agents bis zu Automatisierungs-Blueprints, von Bildbearbeitung bis zu atomaren Speicheroperationen: Hermes entwickelt sich vom KI-Assistenten zu einer Agenten-Betriebsschicht, die Einstiegspunkte, Tools und Szenarien übergreift.
Wenn v0.16 Hermes einen Körper gegeben hat, dann wachsen ihm in v0.17 die Fühler.
KI-Assistenten sitzen nicht mehr nur im Chatfenster und warten auf Nachrichten – sie beginnen, aktiv in deine Nachrichten, auf deinen Desktop, in deine Toolchain und deine Automatisierungsabläufe einzuziehen.
So sollte ein Agent wirklich aussehen.